Pararudern

Warum normales scheinbar besonders ist

Rudern mit Behinderung

Rudern befördert nicht nur die Gesundheit, die Kultur und den Zusammenhalt sondern kann auch unterschiedlichste Menschen zusammenbringen. Herkunft, Bildung, Größe oder eine Behinderung sollten heute keine Rolle spielen. Schade ist eigentlich, dass dies „früher“ schon bei uns im Verein gelebt wurde und heute leider nicht mehr so normal ist. Einige Beispiele sind Theo Kozerski und einige Mädchen aus Wolfgang Jung`s Trainingsgruppe. Diese Sportler waren aktiv und integriert.

Nach der Wende ist dieses Engagement in Vergessenheit geraten und wird heute wieder neu angefangen . Bei diesem Neuanfang haben wir viel Unterstützung erfahren. Der Bedarf an Sportmöglichkeiten für Menschen mit geistigen und/ oder körperlichen Behinderungen ist enorm, das Angebot sehr überschaubar. In Berlin beschäftigen sich 2-3 Vereine mit Handicap Ruderern. In (ganz) Brandenburg bestreiten wir derzeit eine Vorreiterrolle. Es gibt kaum Informationen zu dieser Art der Integration. Der Aufwand für körperbehinderte Ruderer ist relativ hoch , da hier auf einen Sportler ein Betreuer organisiert werden muß. Auch die Bootstechnik ist eine andere, Sonderteile sind notwendig und müssen ggfs. angefertigt werden Die Fähigkeiten die hier (z.T. wieder-) erlangt werden können sind gewaltig. Sport als Vereinserlebnis, nicht um Hilfe betteln müssen-sondern bitten und dann geht’s. Das Erlebnis allein aus dem Rollstuhl in einen Einer zu steigen und hier auf die Wellen, den Wind reagieren zu müssen ist für die meisten ein AHA Erlebnis. Ohne es ausdrücklich zu trainieren werden hier Gleichgewicht und Wahrnehmung gefördert. Der Sportler reagiert auf Einflüsse, auf die er an Land in dieser Form nicht reagieren muß. Die Sonne im Gesicht spüren - das geht in keiner Physiotherapie, und hilft trotzdem. Wenn diese Erlebnisse ,mit Ehrgeiz und Ausdauer gepaart, einen sportlichen Erfolg nach sich ziehen ist unser Engagement um so wertvoller.

In Rüdersdorf sind Einrichtungen, Wohnstätten zur Betreuung geistig behinderter Menschen schon seit sehr langer Zeit ein Bestandteil der Gemeinde. Hier soll stellvertretend das Marienhaus genannt sein. Im Leiter der Einrichtung Hr. Kießling haben wir einen Mitstreiter für die Idee, den Bewohner das Rudern näher zu bringen. Z.B wurde für die Betreuer der Wohnstätte ein Schnuppertag veranstaltet, der auch rege angenommen wurde. Die Betreuer haben selbst im Ruderkasten, auf kleineren Sportgeräten, dem Egometer und auch im Boot(!) selbst versucht, was den Bewohnern angeboten aber auch abverlangt werden soll. Ein erstes Training mit 4 Sportlern aus dem Marienhaus fand bereits statt, viel Begeisterung und auch Defizite traten zu Tage. Es besteht der große Wunsch seitens der Sportler weiter machen zu können. Die Aufgaben zur Realisierung des Rudersportes für geistig behinderte Sportler ist eine ganz andere als bei den Körperbehinderungen. Hier müssen rechtliche Rahmen beachtet werden, auf die individuellen bedürfnisse ist einzugehen. Ein Nahtloser Übergang in die Trainingszeiten der „gesunden“ Mitglieder ist in kurzer Zeit nicht möglich. Eine Eingewöhnungsphase ist ein muss . Die Wege, die Bezugspersonen sind andere und müssen angenommen werden. Situationen und Räumlichkeiten sind ungewohnt und können unter Umständen zu Angst und Verweigerung führen. Es ist viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Das fachliche Wissen ist das eine Problem bei diesen Übungsgruppen. Viel Unterstützung erhalten wir vom DBS und anderen Vereinen die in diesem Bereich tätig sind. Wichtige Kontakte sind über den DRV genutzt worden. So haben wir einen Wintech Boot für einen unbefristeten Zeitraum vom Verein –Wassersporthandicaps- Berlin überlassen bekommen, das Boot ist ein echtes Wettkampfschiff. Vom DBS / DRV sind geänderte Skull zur Verfügung gestellt worden. Umbauten am Boot sowie die Zusatzteile für das Feststitzrudern auf dem Ergometer wurden bereitgestellt. Rudertechnisches Fachwissen ist eine Holpflicht von uns. Unterstützung vom LRV ist uns hier sicher.

Soweit klingt das genannte doch ganz gut. Aber es reicht nicht. Wir sind auf weitere Unterstützung jeder Art angewiesen. Um Finanzierungsmöglichkeiten zu entwickeln, um Fördertöpfe anzugraben sind Treffen mit Jugend- und Sozialamtsleitern MOL, Behinderten- Beauftragten von MOL , Einrichtungsleitern und dem Bürgermeister organisiert worden. Wir wollen auch die Politik im tatsächlichen Sinne mit ins Boot nehmen . Das Ziel der Arbeit soll die dauerhafte Einrichtung dieses Angebotes sein und dieses zu erweitern. Hier bieten sich Möglichkeiten Arbeitsplätze als Verein zu schaffen und am Leben zu halten. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sollte von der Gesellschaft honoriert werden und von uns belebt werden.

Um dieses Projekt weiter voranzubringen, haben wir eine „Bewerbung : Rudern als Therapiebestandteil nach Querschnittslähmung und OP „ bei der Median Klinik in Grünheide vorgestellt. Im Therapiebereich wird die tatsächliche Möglichkeit beraten, wenn hier ein „Vielleicht“ kommt, dann laden wir uns die Boote auf und stellen die Möglichkeiten vor Ort vor.

Wir haben hier die Möglichkeit ein Bestandteil des Gesundheitsstandortes Rüdersdorf zu werden!

Für die kurze Zeit von Mitte März bis Mitte September haben wir sehr viel erreicht. Hoffentlich geht es so weiter.

An dieser Stelle möchte ich mich für die Unterstützung, die Neugier und die Unbefangenheit bedanken.

Um die Schirmherrschaft hat sich unser Bürgermeister Andre Schaller beworben. Von meiner Seite sehr gern! Über diese Kontakte möchte der RBB Ende September / Anfang Oktober eine Reprotage über unser (Zitat) „wunderbares Projekt“ aufnehmen.


Lutz Bühnert